Einsteins mutiger Einsatz gegen imperialistische Kriege (Teil 3)



Albert Einstein war als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts ein Vorbild im mutigen Einsatz gegen imperialistischen Krieg und Militarismus. Er unterstützte vielfach die revolutionäre Arbeiterbewegung und war Zielscheibe wütender antisemitischer Attacken und antikommunistischer Hetze. Mit dem politischen Einsatz Einsteins ist die Frage aufgeworfen: Warum sollen Wissenschaftler politisch Partei für die Arbeiterbewegung ergreifen?

Der Pazifist Einstein

Im Oktober 1914 unterzeichneten 93 namhafte deutsche Naturwissenschaftler und Künstler einen Aufruf, der zur Unterstützung des imperialistischen I. Weltkrieges auf deutscher Seite aufrief. Der Aufruf löste unter den friedensliebenden Menschen europaweit Empörung aus. Innerhalb weniger Tage erschien ein Gegenaufruf, an dessen Text Einstein mitarbeitete.
Unter der Überschrift "An die Europäer" wendet sich der Aufruf gegen den Krieg und setzt sich für eine "gemeinsame Weltkultur" ein. Einstein war 1914 unter den Gründungsmitgliedern des Bundes "Neues Vaterland", der sich für einen schnellen Friedensschluss ohne Annexionen einsetzte. Er wurde 1916 verboten und arbeitete danach im Untergrund weiter. Prompt stand Einstein neben vielen anderen auf den Überwachungslisten des Berliner Polizeipräsidenten.

Die Novemberrevolution

Am 29. Oktober 1918 begann mit der Meuterei der Kieler Matrosen die Novemberrevolution gegen die Diktatur der Kapitalisten und feudalen Junker in Deutschland. Wie ein Flächenbrand breitete sich der Aufstand aus und erreichte am 9. November Berlin. An diesem Tag schrieb Einstein in seine Vorlesungsnotizen: "9.11. - fiel aus wegen Revolution." Einstein war im Unterschied zu vielen Professoren begeistert. Zwei Tage, nachdem der Aufstand Berlin erreichte, schrieb er in einem Brief: "Das Große ist geschehen. Dass ich das erleben durfte. Keine Pleite ist so groß, dass man sie nicht gern in Kauf nähme, um so einer herrlichen Kompensation willen. Bei uns ist Militarismus und der Geheimratsdusel gründlich beseitigt." (1) Dies kennzeichnet Einsteins bis an sein Lebensende geäußerte Ansicht, dass mit der Beseitigung von Junker-Herrschaft und faschistischer Diktaturen die Militärs entmachtet werden können und ein dauerhafter Friede in der bürgerlichen Demokratie möglich sei.
Trotz dieser Illusionen wurde es geradezu zu einem Markenzeichen Einsteins, sich als Wissenschaftler gesellschaftlich und insbesondere für die Arbeiterbewegung zu engagieren. 1920 unterzeichnete er einen Aufruf gegen die massenhafte Hinrichtung der Revolutionäre der ungarischen Sowjetrepublik durch rechtsradikale Kräfte. 1923 wurde er eines der ersten Mitglieder der "Gesellschaft der Freunde des neuen Russland".

Eintreten für den aktiven Widerstand gegen Krieg

Einstein im RadioZwischen 1928 und 1933 wird Einsteins Haltung gegen Aufrüstung und Krieg radikaler. Er trat für den entschlossenen Widerstand des Einzelnen gegen den Krieg ein und rief zu Kriegsdienstverweigerung auf. Im August 1931 appellierte er an die Wissenschaftler der ganzen Welt, die Mitarbeit an der Entwicklung von Waffen zu verweigern. (2)
Einstein war in dieser Zeit schon weltberühmt; beispielsweise war er Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Er warf sein ganzes Gewicht gegen die Kriegvorbereitungen der Imperialisten in die Waagschale und bewies viel persönlichen Mut bei gleichzeitiger Bescheidenheit. Die Parteilichkeit Einsteins in verschiedenen politischen Fragen trug ihm die Sympathie breiter Massen ein und schuf engere Berührungspunkte zur Arbeiterbewegung.

Üble antisemitische Hetze

Nach dem Machtantritt der Hitler-Faschisten 1933 beschloss Einstein, bei einem Besuch in den USA nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, und erklärte seinen Austritt aus der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Die Hitler-Faschisten eröffneten daraufhin eine üble antisemitische Verleumdungskampagne gegen Einstein: Sein Besitz wurde konfisziert und seine Bücher öffentlich verbrannt. Der Faschist und Physik-Nobelpreisträger Lenard hetzte gegen die "jüdische Physik" Einsteins und stellte dieser seine "arische deutsche Physik" gegenüber. Darin griff er die Relativitätstheorie Einsteins als "Entartung des gesunden Menschenverstandes" an und vertrat einen Vulgärmaterialismus, in dem wieder ein mechanischer Äther eingeführt wurde. Diese faschistischen Machenschaften wurden später häufig genutzt, um jede Kritik an Einstein in die Nähe des Antisemitismus zu rücken und damit zu unterbinden.

Einstein und die Atombombe

Nach 1933 wandelte sich auch Einsteins pazifistische Haltung. Nachdem 1938 Otto Hahn und Fritz Strassmann in Berlin erstmals die Kernspaltung von Uran entdeckten, wandte sich Einstein, gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern, an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Roosevelt. Ihr Hinweis auf die Gefahr des Besitzes von Atombomben durch das faschistische Deutschland führte 1941 zu dem Entschluss der US-Regierung, in einem groß angelegten Projekt den Bau von Atombomben zielstrebig voranzutreiben. Mit dem Projekt selbst hatte Einstein allerdings nichts zu tun, da er von der Regierung als politisch zu unsicher eingestuft wurde.
Am 6. August 1945 wurde die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen. Am 9.8. erfolgte der Abwurf der Atombombe auf Nagasaki. Beide Bomben fielen, obwohl die militärische Niederlage des faschistischen Japans bereits besiegelt war. 250 000 Menschen starben unmittelbar einen furchtbaren Atomtod und über 160 000 Verletzte mussten ein qualvolles Leben fristen, bis sie vom Tod erlöst wurden. Der Einsatz dieser Atombomben stellte eine Kampfansage an die damalige sozialistische Sowjetunion dar und war eines der größten Verbrechen des US-Imperialismus im Kampf um die Weltherrschaft.
Teilweise wird die Behauptung vertreten, Einstein hätte mit seiner Erkenntnis der Identität von Ruhemasse und Energie die Atombombe erst ermöglicht. So brachte das "Time Magazin" vom 1. Juli 1946 Einstein mit einem Atompilz auf der Titelseite mit der Bildunterschrift: "Weltzerstörer Einstein. Alle Materie besteht aus Geschwindigkeit und Flammen".

Naturwissenschaftler suchen Bindung zur Arbeiterbewegung

Es stellt jedoch die Tatsachen auf den Kopf, wenn behauptet wird, dass die Naturerkenntnis selber und nicht deren Missbrauch im Interesse des Militärs oder des Profits der Menschheit Schaden zufüge. Solche wissenschaftsfeindlichen Standpunkte hätten die Konsequenz, dass jede Naturforschung eingestellt werden muss, nur weil sie auch missbraucht werden kann. Dieser Standpunkt würde die Naturwissenschaftler von ihrer Verantwortung entbinden, sich gegen den Missbrauch ihrer Forschungen politisch zu engagieren. Im Gegenteil ist es notwendig, als Wissenschaftler eine enge Verbindung zur Arbeiterbewegung und eine Wissenschaft im Dienste der Massen zu entwickeln. So engagierte sich Einstein nach dem II. Weltkrieg für die Ächtung der Anwendung von Atombomben und kritisierte die nukleare Aufrüstung und das Weltherrschaftsstreben der USA. (3)

(1) A. Fölsing, "Albert Einstein", Suhrkamp 1993, S. 475.
(2) New York Times, 2. August 1931
(3) A. Einstein, "Aus meinen späten Jahren", Frankfurt, Berlin 1993.

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