Einsteins Eintreten für den Sozialismus (Teil 5)
Albert Einstein war kein Marxist, doch er hatte Sympathien für den Sozialismus. Diese veränderten sich in seinen späteren Lebensjahren, wo er offen für den Sozialismus eintrat. In einem von der Zeitschrift "Monthly Review" abgedruckten Artikel aus dem Jahr 1949 kritisierte Einstein unter anderem die für den Profit produzierende kapitalistische Produktionsweise und hob die Vorzüge der sozialistischen Produktion hervor. Außerdem war er der Meinung, dass man die schädlichen Erscheinungen im kapitalistischen Bildungswesen wie Konkurrenzstreben, Raffgier und Karrierismus durch den Sozialismus beseitigen könne, weil dieser sich an sozialen Zielsetzungen orientiere. Zugleich äußerte er sich kritisch gegenüber Erscheinungen des Bürokratismus.Einstein mit Sympathien für den Sozialismus - das ist eine Seite, die von den bürgerlichen Biografen weitgehend verschwiegen wird.
Einsteins Annäherung an den wissenschaftlichen Sozialismus
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| Das Foto von 1931 zeigt Einstein zusammen mit dem fortschrittlichen Schauspieler und Filmemacher Charlie Chaplin, der Filme wie "Moderne Zeiten" 1936 und "Der große Diktator" 1940 produzierte. Beide wurde Anfang der 1950er Jahre Ziel der Mc Carthy'schen Kommunistenverfolgung in den USA. Während Chaplin 1953 in die Schweiz emigrierte, ist Einstein bis zu seinem Tod 1955 in den USA geblieben. |
Einsteins Eintreten für Frieden und Völkerfreundschaft fand später seine Fortsetzung in seinen Sympathien für eine sozialistische Gesellschaft. Wie schon in Teil 3 dieser Serie dargestellt, begrüßte er im Unterschied zu vielen konservativen Wissenschaftlern die Oktoberrevolution in Russland und die Novemberrevolution in Deutschland.Dabei war Einstein weit davon entfernt, ein Marxist zu sein. Er selber bezeichnete sich einmal als einen "Gefühlssozialisten" und in einigen Bemerkungen wird auch zeitweise eine Distanzierung von der damals sozialistischen Sowjetunion deutlich. Besonders sein Leben in den USA war in der Zeit bis zum Ende des II.Weltkrieges von der Vorstellung geprägt, dass die bürgerliche Demokratie eine vernünftige Form der Gesellschaft sei, in der jeder Mensch politisch mitwirken könne. Doch mit der Repression in den USA durch die Kommunistenhetze Mc Carthys Ende der 1950er Jahre veränderte sich Einsteins Haltung. Er protestierte öffentlich dagegen und nahm Kommunisten vor den Verfolgungen in Schutz.Und er suchte nach einer gesellschaftlichen Alternative. Bemerkenswert ist ein Artikel aus dem Jahre 1949 in der Zeitschrift "Monthly Review" mit dem Titel "Warum Sozialismus?" In diesem Artikel heißt es: "Die ökonomische Anarchie der kapitalistischen Gesellschaft heute ist meiner Meinung nach die eigentliche Ursache des Übels. ... Die Produktion ist für den Profit da - nicht für den Bedarf." Und er kommt zu dem Schluss: "Ich bin davon überzeugt, dass es nur einen Weg gibt, dieses Übel loszuwerden, nämlich den, ein sozialistisches Wirtschaftssystem zu etablieren, begleitet von einem Bildungssystem, das sich an sozialen Zielsetzungen orientiert." Einstein distanzierte sich kritisch von der zunehmenden Bürokratisierung von Führern in der Kommunistischen Partei und der Staats- und Wirtschaftsführung. Zugleich war seine Ansicht über den Sozialismus aber auch utopisch, da er zu einem Verständnis des Klassenkampfes und der Notwendigkeit seiner Weiterführung im Sozialismus nicht vordrang. Dennoch: Seine positive Stellungnahme zum Sozialismus wird heute von den Massenmedien und auch von fast allen Einstein-Biografen totgeschwiegen.
Ein Fazit
Einstein ist sicherlich einer der größten Naturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts - wenn nicht sogar der größte. Seine wissenschaftlichen, weltanschaulichen und politischen Beiträge und seine Wirkung sind jedoch äußerst widersprüchlich. Beispielsweise stell te seine spezielle und allgemeine Relativitätstheorie einen Fortschritt gegenüber den mechanischen Äthermodellen dar. Sie eröffneten jedoch gleichzeitig den Spielraum für den Übergang zur Vorherrschaft der idealistischen Weltanschauung, da sie die Materie durch Geometrie ersetzen. Die Geometrisierung der Materie ist bis heute ein bedeutendes Hindernis in der weiteren Erforschung des Mikro- und Makrokosmos und wird trotz hervorragender materialistischer Einzelerkenntnisse aufrechterhalten.Einsteins Idealismus wirkte auch tief in die revolutionäre Arbeiterbewegung hinein. So verfasste Josef Winternitz, Parteilehrer und langjähriges Mitglied des ZK der KPD, schon 1921 eine Dissertation über die "Relativitätstheorie und Erkenntnislehre", in der völlig unkritisch der neue Idealismus übernommen wurde.Einstein fasziniert bis heute die Massen. Zu seinen Lebzeiten waren es neben seiner wissenschaftlichen Arbeit sein uneigennütziges politisches Engagement und seine Bescheidenheit, die ihm zu hohem Ansehen verhalfen. Heute wird sein Ansehen genutzt, um die idealistische Weltanschauung über einen leeren Raum, von Zeitreisen und der Urknall theorie unter die Öffentlichkeit zu tragen.Die kritische Würdigung seiner engen Verbindung von wissenschaftlicher und politischen Arbeit zeigt gleichzeitig, wie beschränkt die Möglichkeiten von fortschrittlichen Wissenschaftlern sind, wenn sie nicht bewusst ihren Platz an der Seite der revolutionären Arbeiterbewegung einnehmen.
Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus
Lenin schrieb in dem Artikel "Über die Bedeutung des streitbaren Materialismus":"Die modernen Naturforscher werden (wenn sie es verstehen, danach zu suchen, und wir es lernen, ihnen dabei zu helfen) in der materialistisch gedeuteten Dialektik Hegels eine Reihe von Antworten auf die philosophischen Fragen finden, die durch die Revolution in der Naturwissenschaft aufgeworfen werden und bei denen die intellektuellen Anbeter der bürgerlichen Mode zur Reaktion ,abgleiten`. Stellt man sich eine solche Aufgabe nicht und arbeitet man nicht systematisch an ihrer Lösung, so kann der Materialismus kein streitbarer Materialismus sein. Er wird, um einen Ausdruck Schtschedrins zu gebrauchen, sich nicht so sehr schlagen als geschlagen werden." (Lenin, Werke, Bd. 33, S.220)
Das Jahr 2005 war ein Einstein-Jahr anlässlich seines 50. Todestags und von "100 Jahre Relativitätstheorie". Dies und der 125. Geburtstag Einsteins in diesem Jahr können von der Leserschaft genutzt werden, um neue, streitbare Materialisten im Sinne Lenins zu gewinnen.



