Filmtipp: Der grosse Ausverkauf
Seit dem 17.Mai 2007 erscheint in den Kinos ein Film von Florian Opitz "Der grosse Ausverkauf". Es ist ein packender Dokumentationsfilm über ein sehr komplexes Thema - die Privatisierung. In dem Film beschreibt Opitz die Folgen der Privatisierung öffentlicher Dienste, die Menschen weltweit - oft von internationalen Institutionen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds - aufgezwungen wird. Trotz der geographischen Ferne der geschilderten Poträts, werden die Parallelen zu den wirtschaftlichen Entwicklungen in Deutschland schnell sehr deutlich und der Film macht klar: das Thema Privatisierung betrifft uns alle.
"Eskom hat mir den Strom gekappt, weil ich nicht arbeite. Ich hab kein Geld den Strom zu bezahlen. Da haben sie mir einfach die Leitungen gekappt." so ein Bürger aus dem Townships Soweto, Südafrika. Wer ist Escom? Escom ist der südafrikanische Stromversorger. 1999 entschied die Regierung Escom zu privatisieren. Im Kampf gegen die Privatisierung haben die Menschen von Soweto eine Kampagne namens "Operation: Kanyisa!" gestartet. Dasheisst "Operation: Licht an!" "Wenn Escom dir den Strom abstellt, kommen wir und schließen ihn wieder an." so der "Guerilla-Elektriker" Bongani.
Brighton, Grossbritannien: Simon ein britischer Lokführer, der früher stolz war ein Eisenbahner zu sein, erzählt seine Erfahrungen von der Privatisierung: "Drei große Zugunglücke können unmittelbar zurückgeführt werden auf die Privatisierung oder die Vorbereitung zur Privatisierung. Bei -allen dreien gab es Versäumnisse, Probleme, die vor dem jeweiligen Unfall bekannt waren. Hätte man sie behoben, wären die Unfälle nicht passiert. Aber das hätte Geld gekostet."
Eine Stärke des Films ist, dass die betroffenen Menschen aus verschiedenen Ländern ihre Erfahrungen und Schicksale mit der Privatisierung berichten. Die Menschen stehen im Mittelpunkt des Films und sind einerseits die Ankläger gegen die Privatisierung. Andererseits zeigt der Film, wie verschiedenartig der Kampf in den Ländern gegen die Folgen der Privatisierung aufgenommen wird.
"Der grosse Ausverkauf" entlarvt das Märchen, dass es bei der Privatisierung keineswegs um "Kostensenkung und Effektivitätssteigerung" geht, wie uns die Monopolvertreter und Politiker glauben machen wollen. Sondern allein um neue Anlagemöglichkeiten zur Erzielung von Maximalprofiten.
Der Film wurde nicht synchronisiert, sondern ist mit einem deutschen Untertitel versehen. Dadurch wurde es notwendig, dass das gesprochene Wort auf das Wesentliche reduziert wird, ohne aber die inneren Zusammenhänge zu nehmen.
"Der grosse Ausverkauf" bringt viele Argumente und betrachtet das Problem der Privatisierung allseitig. Weil durch die Privatiserung die Löhne und Gehälter gekürzt werden, haben allein auf den Phillipinen in den letzten 10 Jahren 100.000 Schwestern und 5.000 Ärzte das Land verlassen, um in den reicheren Ländern zu arbeiten. Die Folge: 1.000 phillipinische Krankenhäuser mussten ganz oder teilweise schliessen - wegen Personalmangel. Wer erkennt hier nicht Paralellen zu Deutschland?
Die Beweggründe des Regisseurs sind eindeutig: "Mit dem Film Der grosse Ausverkauf möchte ich zeigen, was hinter dem abstrakt klingenden Phänomen der Privatisierung öffentlicher Dienste steckt. Was es für die Menschen bedeutet, die davon direkt betroffen sind. Was eine Gesellschaft verliert, die Konzernen die Verantwortung für ihre Grundversorgung überträgt. Die Protagonisten in Der grosse Ausverkauf haben zu spüren bekommen, was es heißt, wenn ihre Wasser- und Stromversorgung, Busse und Bahnen und sogar das Gesundheitswesen komplett privatisiert werden. Sie haben mit etwas zu kämpfen, das uns früher oder später alle betreffen wird. Aber mir ist wichtig zu zeigen, dass die Protagonisten in Der grosse Ausverkauf keine passiven Opfer, sondern würdevolle und aktive Individuen, die in der Lage sind, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und die privatisierte Realität, in der sie leben, zu verändern. Und wenn es nötig ist - Widerstand zu leisten. Der Film möchte die Öffentlichkeit aufrütteln und auf eine schleichende und gefährliche Entwicklung aufmerksam machen, die unser aller Leben betrifft.“ (Florian Opitz)
"Der grosse Ausverkauf" zeigt, wie die Menschen unerschrocken und couragiert gegen die Privatisierung Stellung nehmen und Erfolge erzielen können, wenn man sich zur Wehr setzt. Nach 6 Monaten hatten die Menschen von Cochabamba, drittgrößte Stadt Boliviens, den Wasserkrieg gewonnen.
Oscar Olivera, Koalition zur Verteidigung des Wassers, Bolivien, macht deutlich, dass es nicht nur um den Kampf um Reformen geht:
"Im Wasserkrieg haben die Menschen gezeigt, dass es möglich ist, sich gegen die Prvatisierungen der Weltbank und die Konzerne zu wehren. Sie haben gezeigt, dass es möglich ist sich zu organisieren, zu verbünden. Ängste zu überwinden und zu gewinnen. Aber der größte Erfolg ist, dass wir unsere Stimme zurückgewonnen haben und die Fähigkeit, als Volk unsere eigenen Entscheidungen zu treffen."
Der Film wird leider nur in 16 Großstädten gezeigt. Schulvorstellungen und -material stehen zur Verfügung. Eine DVD ist in Bearbeitung
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Trailer:
Wir danken dem Filmverleih Majestic um die Erlaubnis zur Veröffentlichung des Bild-, Ton- und Filmmaterials.


