Wonnemar: Doch kein Volksbad?!
Viele empörte Südwest-Presse-Leser schrieben Leserbriefe. "Für eine Familie sollte ein Besuch in einem Spaß- und Familienbad bezahlbar sein und nicht nur für Familien der "oberen 10.000"",
Nun erklärt der Bäderbetreiber, das Wonnemar sollte noch nie ein Volksbad sein. Hoppla, wer hat eigentlich das Bad finanziert? Schon der erste Betreiber vom Atlantis setzte sich mehr oder weniger ins gemachte Nest. Die Hauptlast des Baus finanzierten die Bürger über die Steuergelder. Auch die jetzige Sanierung zahlten die Ulmer und Neu-Ulmer Bürger fast 16 Millionen Euro.
Wir finanzieren den Bau,
aber es soll dann kein Volksbad sein? Die Preisgestaltung (siehe Kasten) zeigt,
dass die umliegenden Bäder wesentlich günstiger sind. Das ist eben der Kapitalismus: Gesellschaftliche Finanzierung und privatkapitalistische Aneignung des Gewinns durch die
Stuttgarter interSPA Gruppe. Die Ulmer und Neu-Ulmer Stadträte
müssen jetzt mit in die Verantwortung genommen werden über die Preispolitik. Laut Wonnemar-Manager Falko Schille waren die
Stadträte von Anfang an informiert: "Allen waren unser Konzept und unsere
Preise früh bekannt, auch den Stadtspitzen und den Stadträten". Das sind ja ganz neue Töne. Gerade von den Stadtspitzen wurde doch immer das Gegenteil behauptet.
Der Protest ist berechtigt. Wir brauchen kein Nobelbad! Die Preise müssen auf ein vernünftiges, v.a. für Familien bezahlbares Niveau gesenkt werden. Es kann auch nicht sein, dass die Preise an den Wochenenden höher sind, wie unter der Woche. Gerade für Familien sind gemeinsame Wochenend-Aktivitäten wichtig.
Viele Ulmer warten
nicht die Verhandlungen über die Preise ab, sondern bleiben einfach
dem Bad fern.
Das Beispiel Wonnemar bestätigt wieder aufs Neue: die Privatisierung ehemals kommunaler Aufgaben und Einrichtungen ist nichts anderes, als ein neuer Markt zur Gewinnmaximierung und treibt die Gebühren/Kosten für die Bürger in die Höhe.
Preise im Vergleich:
Ein Erwachsener bezahlt (ohne Ermäßigung) für 3,5 Stunden im Donaubad-Wonnemar jetzt 10,50 Euro. Das Atlantis berechnete für vier Stunden 8 Euro. Im Bad Blau kosten 3,5 Stunden derzeit 7,60 Euro, im Nautilla vier Stunden 7,50 Euro.
Geht eine Familie (ein Erwachsener und drei Kinder oder zwei Erwachsene und zwei Kinder) den ganzen Tag über ins Donaubad-Wonnemar, kostet das nach der Neueröffnung 39,50 Euro. Für jedes weitere Kind werden 2 Euro fällig. Im Atlantis musste die gleiche Familie 27,50 Euro bezahlen, also 12 Euro weniger. Im Bad Blau kostet die Familientageskarte nur 19,50 Euro für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder. Das sind für eine vierköpfige Familie 20 Euro weniger als im Donaubad-Wonnemar! Und im Nautilla werden für die Familientageskarte 20 Euro verlangt. Das Donaubad-Wonnemar ist für Familien doppelt so teuer wie das Bad Blau oder das Nautilla.


