Faschisten tummeln sich im Radio7 Chat
Hin und wieder erscheinen in den Medien Berichte über Kinder und Jugendliche, die auf Betrüger hereingefallen sind, sich mit diesen getroffen haben und dann vergewaltigt oder sogar ermordet wurden. Literarisch verarbeitet wurde dieses Thema z. B. von Thomas Tuma in seinem Kriminalroman "Tödlicher Chat". Auf der anderen Seite entwickeln sich über das Chatten Freundschaften weltweit bis hin zu partnerschaftlichen Beziehungen.
In Ulm befindet sich einer der größten Privat-Radiosender Deutschlands - Radio 7. Radio 7 gehört zu den 15 reichweitenstärksten Privatradios in Deutschland. Der Sender hat eine Hörerzahl von knapp über 900.000 und ist die Nummer 1 unter den deutsche Radio-Clubs. Auch hier gibt es die Möglichkeit des Chattens.
Wir haben uns im Themenbereich "Gesellschaft, Politik und Religion" umgeschaut. Über 150 Diskussionsthemen finden sich unter dieser Rubrik. Sofort sind uns bestimmte Diskussionsforen aufgefallen: "Ausländer im eigenen Land - Duisburg-Marxloh", "NPD = Müll", NPD-Arbeitslosigkeit und Ausländer". Die Beiträge sind zum Teil recht erschreckend und zeigen, dass Neofaschisten das Forum Chat nutzen, um ihre rassistischen und ausländerfeindliche Hetze zu verbreiten.
So tauchen Sprüche auf wie "Deutsch bleibt deutsch und fremd bleibt fremd und das sag ich nicht, sondern das ist so." "Meine Wahl - dieses Mal NATIONAL. NPD in den Bundestag" ..."Die Indianer konnten die weißen Einwanderer nicht stoppen - Heute leben sie in Reservaten. Damit uns Deutschen so etwas nicht blüht, muß diese verhängnisvolle Entwicklung endlich gestoppt werden, ehe es für uns Deutsche zu spät ist!"
Eine Chat-Auseinandersetzung geht um eine ZDF-Sendung "ZDF.reporter" vom 10.August 2005, um einen Bericht über den Stadtteil Duisburg-Marxloh. Das ZDF schürt hier geschickt Unsicherheit, Unmut und Angst über die Migranten in diesem Stadtteil. Der Bericht verdreht die Realität. So ist eine deutsche Frau stolz auf ihre Türkischkenntnisse und redet mit dem türkischen Verkäufer in seiner Heimatsprache. Das ZDF macht hieraus gleich Stimmung und vermittelt - seht her im eigenen Land müssen Deutsche türkisch lernen. Gegen diese Berichterstattung entwickelte sich ein breiter Protest, hauptsächlich von den Marxlohern Anwohnern und einer Bürgerinitiative, die sich gegen Verdrehungen, Verfälschungen und Halblügen in der Reportage zur Wehr setzten. Selbst die großbürgerliche Zeitung "Die Welt" brachte Ende Oktober einen umfangreichen Artikel und entlarvte die Verfälschungen. Das ZDF hat darauf reagiert und mittlerweile den Filmbeitrag aus dem Internet wieder herausgenommen. Ein Erfolg.
Dennoch wurde der ZDF-Bericht in einigen Internet -Chats (uns sind vier Chat-Foren bekannt) zum Anlass genommen, eine breite Diskussion zu entwickeln. In einem Brief an den Pressesprecher von Radio 7 machten wir auf die ausländerfeindlichen und rassistischen Kommentare im Radio7-Chat aufmerksam:
"... eigentlich bin ich auf die Homepage von Radio 7 über die Tageszeitung "Die Welt" aufmerksam geworden. In der Ausgabe vom 20.Oktober heißt es zu ihrem Sender: "Während der Sender (gemeint ist das ZDF - der Verf.) und das Marxloher Bündnis noch Stellungnahmen austauschen, wird die Reportage längst schon woanders besprochen. "Leute, schaut euch diesen Bericht des ZDF mal an", heißt es in einem Chatroom des Ulmer Privatsenders Radio 7, "da dreht sich einem der Magen rum. Soll so unsere Zukunft aussehen? Widerstand jetzt!"
Um was geht es. Das ZDF veröffentlichte eine "Reportage" über das Stadtviertel Marxloh in Duisburg. Geschickt wird hier verfälscht und eine Ausländerhetze betrieben. Ein Bündnis hat sich jetzt in Duisburg gegründet, die gegen die Verfälschungen und Entstellungen der Sendung vorgehen. Die Welt veröffentlicht dedailiert, worin die Falschmeldungen bestehen.
Ich würde Ihnen empfehlen, dies nachzulesen. Denn Ihre Homepage wird nun zu einer Plattform von ausländerfeindlichen Stimmungen und Propaganda. Lesen Sie bitte selbst die Beiträge im Chat, unter der Hubrik: Gesellschaft, Politik und Religion "Ausländer im eigenen Land - Duisburg-Marxloh".
Ich möchte Sie bitten als einer der Verantwortlichen mir hierzu Stellung abzugeben."
Gleich am nächsten Tag bekamen wir eine Antwort: "... Natürlich werden wir diesen Sachverhalt umgehend überprüfen und unsere Partnerfirma, die den Chat betreibt, damit beauftragen. Wir können Ihnen aber versichern, dass wir keine Äußerungen bzw. Beleidigungen im Radio 7-Chat dulden. Eine Vielzahl an sog. Operatoren hat ein wachsames Auge auf die Inhalte.
Sollten also die von Ihnen beschriebenen Sachverhalten zutreffen, werden wir die Verantwortlichen entsprechend zur Verantwortung ziehen."
Leider wurde bisher, nach außen hin sichtbar, nichts unternommen. Und so können wir immer noch Beiträge lesen von Chat-Teilnehmern, mit dem Nickname "NPD´ler", auch wenn der Benutzer zur Zeit gesperrt ist.
Wir fordern Radio7 auf, rassistische Propaganda und Kommentare aus ihrem Netz zu nehmen!


