Hunderte Arbeiter demonstrieren vor dem Regionalparlament von Madrid für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze

Folgender Artikel wurde am 9.Mai in der spanischen Zeitung "La Republica" veröffentlicht. Teile des Artikels haben wir ins Deutsche übersetzt. An der Demonstrationen vor dem spanischen Regionalparlament von Madrid haben sich auch Beschäftigte von IVECO-Pegaso beteiligt. Die Demonstration zeigt, mit welcher Härte die Kollegen für ihre Arbeitsplätze kämpfen:

"Hunderte Arbeiter demonstrieren vor dem Regionalparlament von Madrid für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Das Regionalparlament von Madrid erlebte die bisher heftigsten Proteste. Beschäftigte der Unternehmen IVECO-Pegaso, Arcelor Villaverde und BP Solar versammelten sich am 9. Mai vor dem Parlament, während in einer Parlamentsdebatte der Abgeordnete Fernando Camano von der Regierung Esperanza Aguirre forderte, alles zu tun, dass die Entlassungspläne fallen.

Mit den Parolen „Das vereinte Volk kann niemals besiegt werden“, „Aguirre, hör zu, IVECO kämpft“ und „das nächste Mal bringen wir Dynamit mit“

(“el pueblo unido jamás será vencido”, “Aguirre escucha, IVECO esta en la lucha”, “próxima visita será con dinamita”)

durchbrachen die Arbeiter die Polizeikette und erreichten die Eingänge des Parlaments, die sofort verschlossen wurden. Während Präsidentin Aguirre auf die Rede des Abgeordneten Camano antwortete, konnte man drinnen die Böller hören, die draußen gezündet wurden, was im Plenarsaal für große Unruhe sorgte.

Während der Kundgebung wurden Abgeordnete der Vereinigten Linken von den Arbeitern der betroffenen Firmen mit Applaus empfangen, insbesondere Fernando Camano, der bei Peugeot Villaverde beschäftigt ist und Abgeordneter der Vereinigten Linken sowie Mitglied der Kommunistischen Partei Spaniens PCE ist.

(...)

Mit 2900 Beschäftigten ist IVECO Madrid die einzige Fabrik in Spanien, die Industriefahrzeuge und schwere LKW produziert. Nachdem IVECO am 17. April dieses Jahres von der Zentralregierung Subventionen in Höhe von 15,3 Mio. € erhielt, präsentiert die Unternehmensleitung jetzt die Entlassung von 1024 Arbeitern und Kurzarbeit für die übrigen 1900 Beschäftigten bis Ende des Jahres.

Wie IVECO-Beschäftigte auf einer Pressekonferenz erklärten, bestehe das Ziel des zur Fiat-Gruppe gehörenden und schwarze Zahlen schreibenden Unternehmens darin, Mittel freizumachen, um den Kauf von Opel durch Fiat zu ermöglichen. „Über 1000 verlieren ihre Arbeit, nur weil Fiat seinen Konzern vergrößern will“ , sagte Fructuoso Santos, BR-Vorsitzender von IVECO-Pegaso und Mitglied der Vereinigten Linken und des PCE."

(Ende des übersetzten Artikels, Quelle: La Republica)

 

 

Hintergrundinformation:

Der Nutzfahrzeugbauer IVECO / Ulm entließ im Juli 2008 alle 350 Leiharbeiter. Und im Dezember 2008 auch die 550 befristet Beschäftigten, insgesamt ein Abbau von 900 Beschäftigten.

Zurzeit arbeitet Iveco in Ulm angesichts eines massiven Auftragseinbruchs nur an drei bis vier Tagen im Monat.  Die Kurzarbeit trifft vor allem die rund 1200 Mitarbeiter in der Produktion. Dagegen gibt es im Iveco-Entwicklungszentrum für schwere Lastwagen, das in Ulm angesiedelt ist, relativ wenige Ausfalltage. Mit Verwaltungskräften beschäftigt Iveco rund 1700 Mitarbeiter in der Lastwagenproduktion in Ulm. Dazu kommen etwa 400 Beschäftigte im Brandschutz, der laut Südwestpresse „von der Krise jedoch unberührt ist.“

 

Am 8. Mai berichtete die Südwestpresse:

Ulm soll 200 Beschäftigte abbauen. Dies werde – so die Maßgabe des Turiner Managements – durch Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen geschehen.
Im Schwesterwerk in Madrid, das die gleichen schweren Lkw baut, trifft die Wirtschaftskrise die Belegschaft wesentlich härter. Dort wurden gerade 1000 Kündigungen ausgesprochen, berichtet der Ulmer BR-Vorsitzende Maurer, „das sind 40 Prozent der Belegschaft“. In Spanien können Arbeitgeber nicht auf so großzügige Kurzarbeiterregelungen zurückgreifen wie in Deutschland, wo der Gesetzgeber eine Dauer von bis zu 18 Monaten ermöglicht.

Doch auch die anhaltende massive Kurzarbeit bei den Ulmer Lastwagenbauern geht inzwischen zulasten der Belegschaft. „Langsam geht es an die Nerven. Die Leute haben zuhause erledigt, was zu erledigen war“, berichtet Maurer, „jetzt sitzen sie rum, jeden Tag kommt mehr die Angst hoch, dass man bald womöglich dauerhaft zuhause sitzt.“ (ref)

 

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